Petros, petra, Kepha
„Ich aber sage dir: Du bist Petrus“
„Petrus“ ist ein Beiname, den Jesus Simon gibt (Joh 1,42): griechisch Petros, „Stein, Fels“, verwandt mit petra, „Fels“. Dass im griechischen Text zwei Wörter stehen, erklärt sich gut aus der Grammatik: petra ist weiblich, ein Männername braucht die männliche Form Petros. Einen Gegensatz wie „kleiner Stein“ gegen „großer Fels“ sehen die meisten Ausleger darin nicht, mit guten Gründen; die Grammatik allein entscheidet es aber nicht.
Jesus sprach Aramäisch. Einige seiner Worte hat Markus im aramäischen Wortlaut bewahrt, etwa „Talita kum“ (Mk 5,41) und „Abba“ (Mk 14,36). Das Wort an Petrus ist auf Griechisch überliefert; rückübersetzt stünde in beiden Satzhälften wohl dasselbe Wort: Kepha, „Fels“.
So liest es die Peschitta, die Bibel der syrischen Kirche; Syrisch ist ein aramäischer Dialekt. Dort sagt Jesus: „Auch ich sage dir: Du bist Kepha, und auf diesen Kepha werde ich meine Kirche bauen.“ Die Peschitta ist aus dem Griechischen übersetzt und gibt nicht den Wortlaut Jesu wieder. Sie zeigt aber, wie Christen aramäischer Sprache den Satz verstanden haben: Name und Fels sind bei ihnen ein Wort.
Auch das Neue Testament bewahrt den aramäischen Namen, griechisch geschrieben „Kephas“. In Joh 1,42 gibt Jesus ihn Simon. Paulus nennt Petrus achtmal so (1 Kor 1,12; 3,22; 9,5; 15,5; Gal 1,18; 2,9.11.14) und nur zweimal Petrus (Gal 2,7–8). Benedikt XVI. zählt den Namen in einer Generalaudienz neunmal, „vor allem in den Paulusbriefen“. Wer die Lutherbibel von 1912 aufschlägt, liest in Gal 1,18 und 2,11.14 „Petrus“: Sie folgt dort jüngeren Handschriften.