Der Name

Name, Fels, Schlüssel

Tu es Petrus

Bei Caesarea Philippi fragt Jesus seine Jünger: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Simon antwortet: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Darauf gibt Jesus ihm einen neuen Namen und einen Auftrag ().

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Foto: SteO153, CC BY-SA 2.5

TV ES PETRVS ET SVPER HANC PETRAM AEDIFICABO ECCLESIAM MEAM ET TIBI DABO CLAVES REGNI CAELORVM

Vulgata · lateinisch, Fassung von 1592

18Et ego dico tibi, quia tu es Petrus, et super hanc petram aedificabo Ecclesiam meam, et portae inferi non praevalebunt adversus eam. 19Et tibi dabo claves regni caelorum. Et quodcumque ligaveris super terram, erit ligatum et in caelis: et quodcumque solveris super terram, erit solutum et in caelis.

Einheitsübersetzung · 2016

18Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. 19Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.

Gold unterstrichen ist, was im Fries der Kuppel steht. Jede Wendung zeigt beim Antippen ihre Entsprechung in der anderen Sprache.

Tafelbild auf Goldgrund: Links steht Jesus auf einem Felsen am Ufer und streckt die Hand aus. Im Boot auf dem grünen Wasser wendet sich Simon in blauem Gewand zu ihm um und hebt die Hand, neben ihm zieht Andreas das Netz ein.
Die Berufung von Petrus und Andreas, 1308–1311 Gemälde: Duccio di Buoninsegna, National Gallery of Art, Washington, CC0

Petros, petra, Kepha

„Ich aber sage dir: Du bist Petrus“

„Petrus“ ist ein Beiname, den Jesus Simon gibt (): griechisch Petros, „Stein, Fels“, verwandt mit petra, „Fels“. Dass im griechischen Text zwei Wörter stehen, erklärt sich gut aus der Grammatik: petra ist weiblich, ein Männername braucht die männliche Form Petros. Einen Gegensatz wie „kleiner Stein“ gegen „großer Fels“ sehen die meisten Ausleger darin nicht, mit guten Gründen; die Grammatik allein entscheidet es aber nicht.

Jesus sprach Aramäisch. Einige seiner Worte hat Markus im aramäischen Wortlaut bewahrt, etwa „Talita kum“ () und „Abba“ (). Das Wort an Petrus ist auf Griechisch überliefert; rückübersetzt stünde in beiden Satzhälften wohl dasselbe Wort: Kepha, „Fels“.

So liest es die Peschitta, die Bibel der syrischen Kirche; Syrisch ist ein aramäischer Dialekt. Dort sagt Jesus: „Auch ich sage dir: Du bist Kepha, und auf diesen Kepha werde ich meine Kirche bauen.“ Die Peschitta ist aus dem Griechischen übersetzt und gibt nicht den Wortlaut Jesu wieder. Sie zeigt aber, wie Christen aramäischer Sprache den Satz verstanden haben: Name und Fels sind bei ihnen ein Wort.

Auch das Neue Testament bewahrt den aramäischen Namen, griechisch geschrieben „Kephas“. In gibt Jesus ihn Simon. Paulus nennt Petrus achtmal so (; ; ; ; ; ) und nur zweimal Petrus (). zählt den Namen in einer Generalaudienz neunmal, „vor allem in den Paulusbriefen“. Wer die Lutherbibel von 1912 aufschlägt, liest in und „Petrus“: Sie folgt dort jüngeren Handschriften.

Gouache: Auf einem breiten Felsabsatz unter Olivenbäumen sitzen die Jünger um Jesus, der links in weißem Gewand sitzt; Petrus steht aufrecht unter ihnen. Davor fällt ein steiniger Hang mit einem Pfad ab, rechts hinten gehen zwei Gestalten auf dem Weg.
Der Vorrang des Petrus, 1886–1896 Gouache: James Tissot, Brooklyn Museum, New York, gemeinfrei

Der Fels

„… auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“

Das Wort fällt im Gebiet von Caesarea Philippi (), am Fuß des Hermon. Dort ragt eine hohe Felswand auf; in einer Höhle an ihrem Fuß lag ein Heiligtum des Pan, daneben entspringt eine Quelle des Jordan (Josephus, Jüdischer Krieg I 404–406). Matthäus erwähnt die Wand nicht. Wer den Ort kennt, denkt beim Wort vom Felsen trotzdem an sie.

In der Bibel ist „Fels“ zuerst ein Name Gottes: „Er heißt: Der Fels“ (). Bei Jesaja heißt auch Abraham so, der Fels, aus dem Israel gehauen ist (). Simon bekommt also einen Namen, mit dem die Schrift von Gott und vom Stammvater des Volkes spricht.

Dass Petrus selbst der Fels ist, sehen auch viele evangelische Ausleger so. Der Presbyterianer Albert Barnes nannte es im 19. Jahrhundert „die naheliegende Bedeutung der Stelle“; ohne den Missbrauch durch Rom hätte man nach seinen Worten keine andere gesucht (Kommentar zu Mt 16,18). Eine Nachfolge im Amt lehnte er ab.

Ein Fels trägt und gibt nicht nach. Der Grund der Kirche bleibt dabei Christus: „einen anderen Grund kann niemand legen“ (). Dasselbe Neue Testament nennt die Apostel das Fundament (). Fels ist Petrus, weil Christus auf ihm baut; auf dem Grund des Glaubens, den er bekannt hat, bleibt er „der unerschütterliche Fels der Kirche“ ().

Aus eigener Kraft ist er es nicht. Wenige Verse später nennt Jesus ihn ein „Ärgernis“ (). Für ist er der Fels und zugleich „ein Stein, an dem man anstoßen und zu Fall kommen kann“ (Predigt vom 29. Juni 2012). Halt gibt ihm das Gebet Jesu: „dass dein Glaube nicht erlischt“ ().

In Rom steht die Kirche über seinem Grab. Um 200 nennt Petrus den, „welcher der Fels zum Aufbau der Kirche genannt wurde“, und der römische Presbyter Gaius verweist auf die „Siegeszeichen“ der Apostel am Vatikan (bei ). Konstantin richtete seine Basilika um 320 ganz auf dieses Grab aus. Papstaltar und Kuppel mit dem Wort aus stehen bis heute senkrecht darüber.

Weiter Platz mit hellem Pflaster, hinten ein achteckiger Kuppelbau zwischen zwei Triumphbögen. Vorn in der Mitte reicht Jesus dem knienden Petrus die Schlüssel, zu beiden Seiten stehen die Apostel und Zeitgenossen des Malers.
Die Übergabe der Schlüssel, 1481–1482 Fresko: Pietro Perugino, Sixtinische Kapelle, gemeinfrei

Schlüssel, binden und lösen

„Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“

Das Bild erinnert an : Der Palastvorsteher des Hauses David erhält den Schlüssel und damit die Vollmacht im Haus des Königs; das Amt geht dort von Schebna auf Eljakim über (). Gott sagt: „Ich werde ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter legen“, so wie dem verheißenen Kind die Herrschaft „auf seine Schulter gelegt“ wird ().

Schlüssel sahen damals anders aus. Die frühen schoben durch ein Loch in der Tür einen Riegel auf der Innenseite zur Seite; aus Griechenland sind Tempelschlüssel aus Bronze erhalten, 40 bis 50 Zentimeter lang, die man auf der Schulter trug, als Zeichen von Würde und Macht. Wer den Schlüssel trug, zeigte allen, wer im Haus öffnet und schließt.

Zum Schlüssel gehört das Tor. Im Tor einer Stadt saßen die Ältesten und sprachen Recht (; ); wer das Tor einnahm, hatte die Stadt (). „Pforten der Unterwelt“ meint deshalb die Macht des Todes: Der kranke König Hiskija klagt, er müsse „hinab zu den Pforten der Unterwelt“ (). In stehen beide Bilder nebeneinander. Die Tore des Todes werden die Kirche nicht überwältigen, und Petrus erhält die Schlüssel des Himmelreichs; die Schlüssel „zum Tod und zur Unterwelt“ hat Christus selbst ().

Von hier aus lesen katholische Ausleger : Petrus erhält die Schlüssel als Verwalter im Auftrag Christi, der selbst „den Schlüssel Davids“ hat (). Der Katechismus deutet sie als Vollmacht, das Haus Gottes, die Kirche, zu leiten ().

Die Vollmacht zu binden und zu lösen sagt Jesus in auch den Aposteln zu. Sie haben sie gemeinsam, Petrus aber in besonderer Weise (): Er steht nicht außerhalb der Zwölf, sondern an ihrer Spitze. Ihm allein trägt Jesus auf, seine Brüder zu stärken () und die Herde zu weiden ().