Rezension „Ich bin auch katholisch“

Wolfgang Bühne · Die Heilige Schrift und die Dogmen der Kirche · CLV, Bielefeld, 6. Auflage 2010 · 160 Seiten

Wolfgang Bühne legt die Lehre der Kirche neben die Bibel und findet, dass beides nicht zusammenpasst. Die Rezension liest mit: Neben jedem seiner Sätze steht, was der Katechismus wirklich sagt, und jede Bibelstelle lässt sich aufschlagen. Wer weiterlesen will, findet am Ende Zeugnisse der frühen Kirche und Buchempfehlungen.

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Einführung

Worum es im Buch geht

In diesem Buch begründet Wolfgang Bühne, warum er zentrale Lehren der römisch-katholischen Kirche für unvereinbar mit der Bibel hält. Den Titel erklärt eine Begegnung, die er im Vorwort schildert: Einem jungen Katholiken antwortet er, er sei „auch katholisch, allerdings nicht römisch-katholisch“, nämlich „ein ganz normaler, ›allgemeiner‹ Christ“, dessen Maßstab das Wort Gottes sein soll ().

In vierzehn Kapiteln geht es um Schrift und Überlieferung, den Menschen und die Sünde, die Kirche, die sieben Sakramente, den Papst, Maria und das Fegefeuer. Bühne stellt dabei Lehrentscheidungen der Kirche neben Aussagen der Bibel; die kirchlichen Texte nimmt er vor allem aus der Sammlung von Neuner-Roos, seit der fünften Auflage auch aus dem Katechismus der Katholischen Kirche. Sein Wunsch ist, dass das Buch dazu anregt, „die fundamentalen Glaubenslehren der röm.-kath. Kirche zu überdenken und mit der Heiligen Schrift zu vergleichen“ ().

Im Schlusskapitel „Was nun?!“ würdigt Bühne, dass viele Katholiken die Bibel lieben und lesen, sieht darin aber keinen grundsätzlichen Kurswechsel der Kirche. Er fragt, ob es aufrichtig ist, dass Christen mit persönlichem Glauben in ihr bleiben, und lädt zu Gemeinden ein, in denen die Heilige Schrift die „alles entscheidende und bestimmende Instanz“ ist (). Das Buch erschien zuerst 1988; besprochen wird die 6. Auflage von 2010.

Was „katholisch“ heißt

Bühne nennt sich „auch katholisch“ und versteht darunter, ein „›allgemeiner‹ Christ“ zu sein (). Das Wort hat eine lange Geschichte. Der früheste erhaltene Beleg für die Wendung „katholische Kirche“ stammt von Ignatius von Antiochien um 110, und dort steht sie im selben Satz wie der Bischof: „Wo immer der Bischof sich zeigt, da sei auch das Volk, so wie da, wo Jesus Christus ist, auch die katholische Kirche ist.“ Der Katechismus erklärt das Wort als „allumfassend“ im Sinn von „ganz“ oder „vollständig“. Katholisch ist die Kirche danach, weil Christus in ihr gegenwärtig ist und sie das ganze Glaubensbekenntnis, das vollständige sakramentale Leben und das geweihte Amt in der Nachfolge der Apostel bewahrt (). So verstanden meint „katholisch“ nicht bloß „allgemein“, sondern die ganze, vollständige Kirche.

Quellen

Was diese Rezension will

Diese Rezension will nicht jede Streitfrage zwischen protestantischen und katholischen Christen entscheiden. Sie greift vierzehn Aussagen des Buches heraus, die die katholische Lehre in wesentlichen Punkten falsch darstellen, und fragt jedes Mal: Was lehrt die Kirche nach ihren eigenen Texten tatsächlich, und auf welche Bibelstellen stützt sie sich? Auf alle Aussagen des Buches geht sie nicht ein. Katholische Lehren darf man kritisieren; man sollte sie aber so wiedergeben, wie die Kirche sie selbst versteht. Deshalb steht bei jeder Aussage das Originalzitat aus dem Buch, dazu der Katechismus und die Bibel, damit sich jeder selbst ein Urteil bilden kann.

Die Aussagen im Einzelnen

„Allein auf die Gnade Gottes vertrauen“ sei katholischerseits Ketzerei

Bühne schreibt„Er vertraute allein auf die Gnade Gottes und befand sich damit – ohne es zu wissen – im direkten Widerspruch zu seiner Kirche, die eine solche Überzeugung für ketzerisch hält und verdammt.“ ()

Die Kirche lehrt„Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht auf Grund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen“ – so bekennt es die katholische Kirche gemeinsam mit den Lutheranern ().

Bühne schreibt auf über einen Katholiken, dieser habe „allein auf die Gnade Gottes“ vertraut und sich damit im direkten Widerspruch zu seiner Kirche befunden, die diese Überzeugung verdamme. So lehrt die Kirche aber nicht. Nach ihrer Lehre geht schon der Anfang der Rechtfertigung von Gottes Gnade aus, und niemand kann die erste Gnade verdienen, durch die Bekehrung, Vergebung und Rechtfertigung überhaupt erst möglich werden (vgl. ; ).

So redet auch das Neue Testament an zentralen Stellen. Paulus schreibt: „durch die Gnade seid ihr errettet“, und zwar „nicht aus Werken“ (). Im Römerbrief heißt es, alle hätten gesündigt, und dann: „und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade“ (). Nach rettet Gott nicht wegen gerechter Werke, die wir getan hätten, sondern aus Erbarmen. Und selbst dass ein Mensch auf Gottes Ruf antwortet, geht nach und auf Gottes Wirken zurück, das ihm vorausgeht.

Gute Werke ersetzen nach katholischer Lehre die Gnade also nicht; sie sind ihre Frucht (vgl. ; ; ). Der Katechismus zitiert dazu Theresia von Lisieux: „Am Ende dieses Lebens werde ich mit leeren Händen vor dir erscheinen; denn ich bitte dich nicht, o Herr, meine Werke zu zählen“ ().

Das Konzil von Trient hat nicht das Vertrauen auf Gottes Gnade verworfen, sondern die These, der rechtfertigende Glaube sei nichts anderes als das Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, oder allein dieses Vertrauen rechtfertige uns (). Nach katholischer Lehre werden bei der Rechtfertigung „Glaube, Hoffnung und Liebe in unsere Herzen gegossen“ (). Das Vertrauen selbst zählt dasselbe Konzil zur Vorbereitung auf die Rechtfertigung (). Katholische Theologie liest deshalb Paulus und Jakobus zusammen: Der Glaube, der rechtfertigt, ist der Glaube, „der durch die Liebe wirkt“ (; vgl. ). Die Wendung „aus Glauben allein“ steht im Neuen Testament übrigens nur an einer Stelle, und dort wird sie verneint: „Ihr sehet also, daß ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein“ ().

Das oben zitierte Bekenntnis steht in der zur Rechtfertigungslehre, die die katholische Kirche und der Lutherische Weltbund 1999 unterzeichnet haben (). Die lutherische Lehre, wie die Erklärung sie darlegt, wird danach „nicht von den Verurteilungen des Trienter Konzils getroffen“ (). Bühne erwähnt die Erklärung selbst (), zitiert aber nicht, was darin über die Gnade steht. Der eigentliche Streit zwischen Protestanten und Katholiken ist also viel feiner: Er betrifft das Verhältnis von Rechtfertigung, Glauben, Liebe und menschlicher Mitwirkung. Ketzerei ist das Vertrauen auf Gottes Gnade für die katholische Kirche nicht.

Die Kirchenväter hätten bis ins 5. Jahrhundert ausschließlich die Schrift als Autorität anerkannt

Bühne schreibt„Während die früheren Kirchenväter bis ins 5. Jahrhundert der Überzeugung waren, dass allein die Heilige Schrift Autorität hat …“ ()

Die Kirche lehrtSchrift und apostolische Überlieferung gehören zusammen (); so argumentiert schon Irenäus um 180.

So einfach, wie es auf klingt, war es bei den Kirchenvätern nicht. Schon Irenäus von Lyon berief sich um 180 n. Chr. nicht nur auf die biblischen Schriften, sondern auch auf die Lehre, die von den Aposteln überliefert war, und auf die Nachfolge der Bischöfe. Gegen die Sonderlehren der Gnostiker verweist er auf die Kirchen der Apostel und auf die Glaubensregel, die dort öffentlich weitergegeben wurde.

Auch im Neuen Testament wird der Glaube nicht nur schriftlich weitergegeben, sondern ebenso verbindlich mündlich. Paulus fordert die Thessalonicher auf: „Also nun, Brüder, stehet fest und haltet die Überlieferungen, die ihr gelehrt worden seid, sei es durch Wort oder durch unseren Brief“ (). Ähnlich erinnert er die Korinther daran, an den Überlieferungen festzuhalten, die er ihnen übergeben hat (), und beauftragt Timotheus, das von ihm Gehörte wiederum zuverlässigen Menschen anzuvertrauen, die fähig sind, andere zu lehren ().

Bühne beruft sich auf , wo Paulus jeden verflucht, der ein anderes Evangelium verkündet als das der Apostel. Darin stimmt die katholische Lehre mit ihm überein: Die Überlieferung bringt kein anderes Evangelium hervor, sondern gibt dasselbe weiter, das die Apostel mündlich und schriftlich übergeben haben (vgl. ).

Im 4. Jahrhundert, noch vor der Grenze, die Bühne zieht, sagen Kirchenväter offen, dass sie sich nicht auf die Schrift allein stützen. Basilius von Caesarea schreibt um 375, von den Lehren der Kirche habe man die einen aus der Schrift, die anderen aus der Überlieferung der Apostel, und: „Beide haben für die Frömmigkeit dieselbe Kraft“ (). Epiphanius von Salamis begründet zur selben Zeit, warum man die Überlieferung braucht: „denn nicht alles kann man aus der göttlichen Schrift entnehmen“ ().

Die katholische Lehre unterscheidet deshalb zwischen Heiliger Schrift und apostolischer Überlieferung, ohne beide gegeneinander auszuspielen (vgl. ; ). Auch Augustinus, auf den sich Bühne beruft, sah Schrift und Kirche nicht als Gegensätze. Der Katechismus zitiert von ihm den Satz: „Ich würde selbst dem Evangelium keinen Glauben schenken, wenn mich nicht die Autorität der katholischen Kirche dazu bewöge“ (). Jede spätere Entwicklung der katholischen Lehre ist damit nicht bewiesen. Zu dem, was die frühen Christen selbst geschrieben haben, passt Bühnes Satz aber kaum.

Die Grundfrage nach Schrift und Überlieferung behandelt die Seite Sola scriptura.

Quellen

Frühe Kirche

Papst- und Konzilsentscheidungen seien ebenso „vom Heiligen Geist eingegeben“ wie die Bibel

Bühne schreibt„… gleichbedeutend sind die Lehrentscheidungen von Päpsten, Konzilien usw., die den Anspruch erheben, dass sie »vom Heiligen Geist eingegeben« und daher für jeden röm.-kath. Gläubigen verpflichtend sind.“ ()

Die Kirche lehrtLehrentscheidungen sind verbindlich, aber nicht inspiriert wie die Schrift: „Das Lehramt steht also nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm“ ().

Zwei Dinge, die die katholische Lehre auseinanderhält, geraten auf durcheinander. Die Inspiration der Heiligen Schrift ist etwas anderes als der Beistand des Heiligen Geistes, auf den sich die Kirche beruft, wenn sie den Glauben der Apostel bewahrt und verbindlich auslegt. Der Katechismus behandelt beides getrennt: die Inspiration der Schrift in , das Lehramt in .

Verbindlich sind solche Lehrentscheidungen für Katholiken durchaus; endgültigen Definitionen müssen die Gläubigen „mit Glaubensgehorsam anhangen“ (). Der Katechismus sagt aber ebenso: „Das Lehramt steht also nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm“ (). Auch eine unfehlbare Lehrentscheidung bringt keine neue Offenbarung hervor: Die Unfehlbarkeit „reicht so weit wie die Hinterlassenschaft der göttlichen Offenbarung“ (), und eine neue öffentliche Offenbarung ist nach katholischer Lehre nicht mehr zu erwarten ().

Wie die Kirche eine Lehrfrage entscheidet, zeigt schon das Apostelkonzil in Jerusalem. Dort wird eine umstrittene Frage gemeinsam entschieden, und im Beschluss heißt es: „Denn es hat dem Heiligen Geiste und uns gut geschienen“ (). Jesus verheißt seinen Jüngern zudem den Geist, der sie lehren und an seine Worte erinnern wird (), und spricht vom Geist der Wahrheit, der sie in die ganze Wahrheit führen werde (). Paulus nennt die Kirche des lebendigen Gottes „der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“ (). Inspiration ist das nicht. Darum unterscheidet die katholische Theologie zwischen der Eingebung der Schrift und dem Beistand des Geistes für die Kirche.

„Die Bibel enthält wohl Gottes Wort, ist aber nicht in allen Teilen Gottes Wort“

Bühne schreibt„Die Bibel enthält wohl Gottes Wort, ist aber nicht in allen Teilen Gottes Wort.“ ()

Die Kirche lehrt„Die Heiligen Schriften enthalten das Wort Gottes, und weil inspiriert, sind sie wahrhaft Wort Gottes“ ().

Die Kirche denkt von der Bibel höher, als die Formel auf vermuten lässt. Für sie sind die Bücher des Alten und Neuen Testaments ganz und mit allen ihren Teilen inspiriert, und Gott ist ihr Urheber (vgl. ). Der Satz des Zweiten Vatikanischen Konzils, den der Katechismus anführt und der oben zitiert ist, dreht Bühnes Formel geradezu um ().

So sagt es auch : „Alle Schrift ist von Gott eingegeben“. Auch erklärt, dass die Weissagung nicht durch den Willen eines Menschen hervorgebracht wurde; heilige Männer Gottes redeten, „getrieben vom Heiligen Geiste“. Jesus selbst behandelt die Schrift als verbindlich; in sagt er: „die Schrift kann nicht aufgelöst werden“.

Katholische Bibelauslegung fragt zwar auch nach den menschlichen Verfassern, nach ihrer Zeit und nach den literarischen Formen, in denen sie schrieben (vgl. ). Deshalb ist aber nicht nur ein Teil der Bibel Gottes Wort.

Katholiken dürften nur kirchlich genehmigte Bibelübersetzungen „benutzen“

Bühne schreibt„Bis heute erlaubt die röm.-kath. Kirche nur den Gebrauch einer Bibel mit kirchlicher Approbation (Erlaubnis).“ ()

Die Kirche lehrtKirchlich genehmigt werden Bibelausgaben für Veröffentlichung und kirchlichen Gebrauch; zum häufigen Lesen der Schrift ruft die Kirche alle Gläubigen eindringlich auf ().

Aus einer Vorschrift des Kirchenrechts liest Bühne auf mehr heraus, als darin steht. Sie regelt vor allem, wann Bibelausgaben und Übersetzungen veröffentlicht und in der Kirche gebraucht werden dürfen. Ein grundsätzliches Verbot, privat eine andere Übersetzung zu lesen, folgt daraus nicht.

Im Gegenteil: Die Kirche ruft dazu auf, die Schrift häufig zu lesen (vgl. ). Auch die Bibel schätzt es, wenn jemand in der Schrift forscht: Die Juden in Beröa werden dafür gelobt, dass sie täglich in den Schriften forschten (), und Paulus fordert Timotheus auf, das Wort der Wahrheit richtig auszulegen (). Zugleich zeigt , dass sich die Schrift nicht immer von selbst erklärt: Der äthiopische Kämmerer fragt Philippus, wie er verstehen solle, „wenn nicht jemand mich anleitet“.

Trient habe die „Apokryphen“ erst hinzugefügt, um katholische Lehren gegen die Reformatoren zu rechtfertigen

Bühne schreibt„Es ist nahe liegend, dass das Trienter Konzil als Reaktion auf die Reformation die Apokryphen der Bibel hinzufügte …“ ()

Die Kirche lehrtDiese Bücher gehören seit alters zur Schrift; sie stehen schon in Kanonlisten des 4. Jahrhunderts und beim Konzil von Florenz 1442 (vgl. ).

Geschichtlich macht es sich die Darstellung auf zu leicht. Die Bücher, die Katholiken heute deuterokanonisch nennen, wurden nicht erst im 16. Jahrhundert erfunden oder zum ersten Mal als Heilige Schrift behandelt. Sie stehen schon viele Jahrhunderte vor der Reformation in kirchlichen Kanonlisten und wurden im Gottesdienst verwendet. Der Katechismus zählt sie zu den 46 Büchern des Alten Testaments und verweist dafür neben Trient auf das Konzil von Florenz (1442) und auf eine Liste, die auf Papst im 4. Jahrhundert zurückgeführt wird (vgl. ).

Auch das Neue Testament berührt sich mit diesen Büchern. erinnert deutlich an die Erzählung von den Märtyrern in . In fanden christliche Leser schon früh Züge der Passion Christi. Und verbindet wie die Vergebung für den Nächsten mit der eigenen Bitte um Vergebung. Gelesen hat die Kirche sie früh: Um 96 führt der Brief der römischen Gemeinde nach Korinth Worte aus dem Buch der Weisheit an und nennt „Judith, die selige“ unter den Vorbildern des Glaubens ().

Damit ist nicht jede Frage zum Kanon erledigt. Wer aber sagt, Trient habe diese Bücher erst „hinzugefügt“, um katholische Lehren zu verteidigen, lässt einen großen Teil ihrer Geschichte weg.

Quellen

Frühe Kirche

Der gefallene Mensch könne sich „mit eigener Kraft“ retten oder Verdienste erwerben

Bühne schreibt„Er kann sich mit eigener Kraft aus »aller Knechtschaft der Leidenschaft« befreien.“ ()

Die Kirche lehrtOhne die Gnade Christi kann niemand gerechtfertigt werden, und auch die Mitwirkung des Menschen ist selbst eine Wirkung der Gnade (; ).

Auf legt Bühne der Kirche etwas in den Mund, das sie gerade nicht sagt: dass sich der Mensch aus eigener Kraft erlösen könne. Sie lehrt vielmehr, dass schon der Anfang von Umkehr und Rechtfertigung erst durch Gottes Gnade möglich wird (vgl. ). Niemand kann die erste Gnade der Vergebung und Rechtfertigung verdienen ().

Richtig ist, dass die menschliche Natur nach katholischer Lehre „nicht durch und durch verdorben“ ist (). Sie ist aber „in ihren natürlichen Kräften verletzt“ und „zur Sünde geneigt“ (). Dass sich der Mensch deshalb selbst befreien könne, folgt daraus gerade nicht. Das Wort von der „Knechtschaft der Leidenschaften“ stammt aus der „Gaudium et spes“ des Zweiten Vatikanischen Konzils (), die Bühne selbst anführt. Dort heißt es unmittelbar danach: „Die Freiheit des Menschen, die durch die Sünde verwundet ist, kann nur mit Hilfe der Gnade Gottes die Hinordnung auf Gott zur vollen Wirksamkeit bringen“ (). Das Konzil von Trient verurteilt ausdrücklich die Behauptung, der Mensch könne durch seine Werke „ohne die göttliche Gnade durch Jesus Christus“ vor Gott gerechtfertigt werden oder ohne die zuvorkommende Eingebung des Heiligen Geistes so glauben, hoffen, lieben und bereuen, wie es für die Rechtfertigung notwendig ist (). Wenn Katholiken sagen, der Mensch „mitwirke“ bei der Rechtfertigung, sehen sie darin nach der Gemeinsamen Erklärung von 1999 „eine Wirkung der Gnade und kein Tun des Menschen aus eigenen Kräften“ (). Und dass, wer die Sünde tut, „der Sünde Knecht“ ist (), worauf Bühne verweist, sagt auch der Katechismus ().

Jesus selbst sagt: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, daß der Vater, der mich gesandt hat, ihn ziehe“ (), und: „außer mir könnt ihr nichts tun“ (). Auch Paulus rechnet sich sein Wirken als Apostel nicht selbst zu, sondern sagt: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“ und „nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir war“ ().

Spricht die katholische Theologie von „Verdienst“, dann immer auf dem Boden der Gnade, die Gott zuerst schenkt, und der Gemeinschaft mit Christus (vgl. ). Und wenn Katholiken an der „Verdienstlichkeit“ guter Werke festhalten, wollen sie damit nicht verneinen, „daß die Rechtfertigung selbst stets unverdientes Gnadengeschenk bleibt“ (). In stehen menschliches Handeln und Gottes Wirken unmittelbar nebeneinander: Die Gläubigen sollen handeln, „denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken“.

Das Messopfer bedeute, das Kreuzesopfer Jesu habe nicht ausgereicht

Bühne schreibt„… die röm.-kath. Lehre vom Messopfer eine schwerwiegende und weitreichende Irrlehre ist, die das Erlösungswerk unseres Herrn schmälert und relativiert.“ ()

Die Kirche lehrtDie Messe ist kein zweites Opfer neben dem Kreuz: Kreuzesopfer und Eucharistie sind „ein einziges Opfer“ ().

So, wie Bühne die Messe auf deutet, versteht die Kirche sie nicht. Christus wird in der Messe nicht noch einmal gekreuzigt, und er stirbt nicht immer wieder. Sein Opfer am Kreuz bleibt einmalig und vollkommen; es lässt sich nicht wiederholen. sagt, dass wir „geheiligt sind durch das ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi“; fügt hinzu: „mit einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden“.

Eben das bekennt auch die katholische Kirche. Die Eucharistie ist für sie kein zweites Opfer neben Golgatha; im Sakrament wird dasselbe eine Opfer gegenwärtig (vgl. ). Darum heißt es dort, Kreuzesopfer und Eucharistie seien „ein einziges Opfer“ (). Wenn der Katechismus sagt, die Eucharistie werde als Opfer „auch zur Vergebung der Sünden der Lebenden und der Toten dargebracht“ (), ist das kein Zusatz zum Kreuz: Sie „wendet dessen Frucht zu“ (), also die Erlösung, die Christus am Kreuz ein für allemal erwirkt hat. Gerade die Stellen, mit denen Bühne gegen das Messopfer argumentiert, führt auch der Katechismus an: dort, wo er das einzige Priestertum Christi beschreibt (), und das „ein für allemal“ des Kreuzesopfers dort, wo er erklärt, warum die Eucharistie ein Opfer ist ().

Die Kirche beruft sich dabei unter anderem auf Jesu Auftrag „dieses tut zu meinem Gedächtnis“ (), auf Paulus, der den eucharistischen Kelch „die Gemeinschaft des Blutes des Christus“ und das Brot „die Gemeinschaft des Leibes des Christus“ nennt (), und auf die Verheißung des Propheten Maleachi, dass unter den Völkern an jedem Ort eine reine Opfergabe dargebracht wird (). Schon die Didache, Justin der Märtyrer und Irenäus von Lyon beziehen diese Verheißung ausdrücklich auf die Eucharistie. Wer diese Stellen anders auslegt, kann die katholische Deutung natürlich kritisieren. Er sollte sie nur nicht so darstellen, als lehre die Kirche, Golgatha habe nicht ausgereicht.

Quellen

Frühe Kirche

„Der Priester allein“ könne Sünden vergeben

Bühne schreibt„Er wird als Stellvertreter Christi, Vorsteher und Richter bezeichnet, der allein Sünden vergeben kann.“ ()

Die Kirche lehrtNur Gott vergibt Sünden; der Priester ist dabei sein Diener und Werkzeug (; ; ).

Der Katechismus beginnt die Lehre, um die es auf geht, mit dem klaren Satz: „Gott allein kann Sünden vergeben“ (). Aus eigener Macht, unabhängig von Gott, vergibt der Priester also nicht.

Die Kirche begründet ihre Lehre mit . Der auferstandene Christus sagt zu den Aposteln: „Gleichwie der Vater mich ausgesandt hat, sende ich auch euch“, haucht sie an und fährt fort: „Welchen irgend ihr die Sünden vergebet, denen sind sie vergeben“. Ebenso spricht Paulus vom „Dienst der Versöhnung“, den Gott den Aposteln übertragen habe (). Schon als Jesus einem Gelähmten die Sünden vergibt, verherrlichen die Leute Gott, „der solche Gewalt den Menschen gegeben“ (; vgl. ). Auch verbindet Sündenvergebung, das Gebet der Ältesten und die kirchliche Krankensalbung.

So haben die Christen der ersten Jahrhunderte diese Worte verstanden. Um 251 lobt Cyprian von Karthago Gläubige, die schon sündige Gedanken „vor den Priestern Gottes“ bekennen (), und mahnt: Jeder bekenne seine Sünde, „solange noch seine Genugtuung und die durch die Priester gewährte Vergebung bei dem Herrn genehm ist“ ().

Der Priester ist deshalb Diener einer Vergebung, die allein von Gott kommt (vgl. ; ). Im Katechismus heißt es: „Der Beichtvater ist nicht Herr, sondern Diener der Vergebung Gottes“ ().

Darin hat Bühne recht: Im Bußsakrament können nur Priester, die von der kirchlichen Autorität die Absolutionsvollmacht erhalten haben, „im Namen Christi Sünden vergeben“ (), und für schwere Sünden ist die persönliche Beichte mit der Lossprechung „das einzige ordentliche Mittel zur Versöhnung mit Gott und der Kirche“ (). Doch auch dabei sind der Priester und die Sakramente „gleichsam nur die Werkzeuge“, durch die Christus die Vergebung bewirkt (). Und Gott vergibt nicht nur in der Beichte: Die Taufe ist „das erste und bedeutsamste Sakrament der Sündenvergebung“ (), vollkommene Reue erlangt zusammen mit dem festen Entschluss zur Beichte auch die Vergebung schwerer Sünden (), und die Eucharistie tilgt die lässlichen Sünden (). Auch , worauf sich Bühne für das Bekenntnis vor Gott beruft, zitiert der Katechismus selbst (): Das Bekenntnis vor Gott und die Beichte schließen einander nicht aus.

Quellen

Das katholische Priestertum sei eine konkurrierende „Gnadenvermittlung“ neben Christus

Bühne schreibt„Nach Auffassung der röm.-kath. Kirche wird die Priesterweihe in Worten und äußeren Zeichen (Handauflegung) vollzogen und vermittelt Gnade.“ ()

Die Kirche lehrtDie Weihe verleiht Gnade, aber nicht neben Christus: Durch den geweihten Diener handelt Christus selbst ().

Anders als Bühne es auf darstellt, kennt die katholische Lehre neben Christus keinen zweiten Erlöser und keinen zweiten Mittler (vgl. ). Es bleibt bei : „Denn Gott ist einer, und einer Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus“. Der Hebräerbrief nennt Christus den vollkommenen Hohenpriester, der für immer bleibt (). Mit eben diesen Stellen, auf die sich auch Bühne beruft, erklärt der Katechismus das einzige Priestertum Christi: Christus ist der eine „Mittler zwischen Gott und den Menschen“ und hat „durch ein einziges Opfer“ die Geheiligten für immer vollendet ().

Das Priesteramt der Kirche tritt deshalb nicht an die Stelle Christi; es hat Anteil an seinem einen Priestertum und dient ihm (vgl. ). Der Katechismus zitiert dazu Thomas von Aquin: „Und deshalb ist allein Christus wahrer Priester, die anderen aber sind seine Diener“ (). Richtig beschreibt Bühne, dass die Weihe durch Handauflegung und Gebet gespendet wird, Gnade verleiht und in drei Stufen übertragen wird (vgl. ; ; ). Doch auch diese Gnade wirkt nicht neben Christus: „Letztlich handelt Christus selbst durch den geweihten Diener und wirkt durch ihn das Heil“ (). Zugleich kennt das Neue Testament verschiedene kirchliche Dienste. Paulus und Barnabas setzen Älteste in den Gemeinden ein (), Timotheus empfängt eine Gabe durch Handauflegung (; ), und Titus wird beauftragt, in jeder Stadt Presbyter (griechisch presbyteroi, „Älteste“; davon leitet sich das deutsche Wort „Priester“ ab) einzusetzen ().

Daneben gibt es das gemeinsame Priestertum aller Getauften, von dem spricht. Beides, das gemeinsame Priestertum und den besonderen Dienst, unterscheidet auch die katholische Lehre (vgl. ; ).

Frühe Kirche

Jeder Mensch, der sich nicht dem Papst unterwirft, gehe automatisch ewig verloren

Bühne schreibt„Jeder, der sich nicht dem Papst unterwirft, schließt sich nach dieser Lehre vom Heil aus, geht also ewig verloren.“ ()

Die Kirche lehrtNicht gerettet werden kann, wer die Kirche als notwendig erkannt hat und sich ihr dennoch verweigert; wer sie ohne eigene Schuld nicht kennt, ist davon ausdrücklich ausgenommen ().

So pauschal, wie es auf steht, lehrt es die Kirche nicht. Zwar hält die Kirche daran fest, dass sie zum Heil notwendig ist, und lehrt, dass nicht gerettet werden kann, wer das weiß und dennoch nicht in sie eintreten oder in ihr ausharren will (). Sie unterscheidet aber zwischen dem, der sie bewusst zurückweist, und dem, der sie ohne eigene Schuld nicht kennt (vgl. ).

Diese Unterscheidung macht schon Jesus: In spricht er von dem Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, und von dem, der ihn nicht kennt. In sagt er sogar: „Wenn ich nicht gekommen wäre und zu ihnen geredet hätte, so hätten sie keine Sünde“. Auch Paulus misst in die Verantwortung eines Menschen an der Erkenntnis, die er empfangen hat.

Zugleich lehrt die katholische Kirche, dass getaufte nichtkatholische Christen in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit ihr stehen (vgl. ). Denen, die in solchen Gemeinschaften geboren sind und an Christus glauben, „können keine Vorwürfe wegen der Sünde der Trennung gemacht werden“; sie werden „aufgrund des Glaubens in der Taufe gerechtfertigt“ und von Katholiken „als Brüder im Herrn anerkannt“ (). Im Neuen Testament gehören alle Getauften zu dem einen Leib Christi (); eine pauschale Verdammung nichtkatholischer Christen leitet die Kirche daraus nicht ab.

Maria werde „angebetet“, sei ein „Abgott“ und habe Jesus ersetzt

Bühne schreibt„Die röm.-kath. Kirche lehrt, dass Jesus seiner Mutter keine Bitte abschlagen würde und sie deswegen als »Fürsprecherin« oder »Mittlerin« anzubeten sei.“ ()

Die Kirche lehrtMaria wird als Fürsprecherin angerufen, aber nicht angebetet; ihre Verehrung unterscheidet sich „wesentlich vom Kult der Anbetung“ (; ).

Nirgends liegt Bühne so weit neben dem, was die Kirche lehrt, wie auf . Anbetung gebührt nach katholischem Verständnis allein Gott (vgl. ). Die Verehrung Marias wird von der Anbetung Gottes unterschieden (vgl. ), und Christus bleibt der einzige Erlöser und Mittler (vgl. ; ; ). Tatsächlich ruft die Kirche Maria „unter den Titeln der Fürsprecherin, der Helferin, des Beistandes und der Mittlerin“ an (). Angerufen heißt aber nicht angebetet, und der Katechismus stellt sofort klar, dass Marias Aufgabe „die einzige Mittlerschaft Christi in keiner Weise“ verdunkelt oder vermindert (). Dass Fürbitte den einen Mittler nicht verdrängt, zeigt gerade , worauf sich Bühne beruft: Bevor Paulus Christus den einen Mittler nennt, ermahnt er, dass „Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen“ (). Nach dem Katechismus hat die Fürbitte der Christen „an der Fürbitte Christi teil“ ().

Ihren biblischen Grund hat die besondere Ehre Marias vor allem im Lukasevangelium. Elisabeth begrüßt sie mit den Worten: „Gesegnet bist du unter den Weibern“ (), und Maria selbst sagt: „siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter“ (). Das liegt nicht an einer eigenen Größe Marias, sondern an Gott: „große Dinge hat der Mächtige an mir getan“ (). Wenn Maria Gott ihren „Heiland“ nennt (), worauf Bühne verweist, widerspricht das der katholischen Lehre nicht. Selbst ihre einzigartige Heiligkeit „kommt ihr nur Christi wegen zu“, denn auch sie ist durch ihn erlöst ().

Auch die Hochzeit zu Kana lesen Katholiken als Beispiel ihrer Fürbitte (; vgl. ): Maria weist auf die Not des Brautpaares hin und sagt anschließend zu den Dienern: „Was irgend er euch sagen mag, tut“ (). Gerade dieser Satz richtet den Blick nicht weg von Christus, sondern auf ihn. Dass Jesus seine Mutter dabei mit „Weib“ anredet (), worauf Bühne verweist, ist keine Zurücksetzung: Mit demselben Wort gibt er sie am Kreuz dem Jünger zur Mutter: „Weib, siehe, dein Sohn!“ (; vgl. ).

Nur die „Apokryphen“ lieferten Belege für Fegefeuer und Fürbitte der Heiligen

Bühne schreibt„Nur in diesen Apokryphen finden sich Belege für die Anrufung und Fürbitte der Heiligen, für die Fegefeuerlehre, für das Gebet zugunsten der Toten usw.“ ()

Die Kirche lehrtDie Lehre vom Fegefeuer stützt sich auch auf das Neue Testament, etwa auf und ().

Beim Fegefeuer stützt sich die katholische Lehre nicht nur auf , wie es auf scheint, sondern auch auf das Neue Testament. Besonders häufig wird genannt: Das Werk eines Menschen wird im Feuer geprüft; er selbst „wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer“. Dazu kommt , wo Jesus von einer Sünde spricht, die „weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen“ vergeben werde. Der Katechismus selbst verweist auf und und zitiert zu ().

Das Fegefeuer ist danach die letzte Reinigung derer, die schon gerettet sind, keine zweite Chance auf Erlösung (vgl. ).

Auch die Fürbitte der Heiligen stützt sich nicht nur auf deuterokanonische Texte. beschreibt die Ältesten im Himmel mit goldenen Schalen voll Räucherwerk, „welches die Gebete der Heiligen sind“. In steigen die Gebete der Heiligen vor Gott auf. spricht zudem von einer „Wolke von Zeugen“, die die Gläubigen umgibt. Ein zwingender Beweis für die katholische Praxis sind diese Stellen nicht. Wer aber sagt, das Neue Testament wisse nichts von der Fürbitte der Heiligen, übersieht . Der Katechismus begründet die Fürbitte der Heiligen mit ihrer Gemeinschaft mit Christus, dem einen Mittler (vgl. ; ).

Frühe Kirche

Fegefeuer bedeute „keine Heilsgewissheit“

Bühne schreibt„Da der röm.-kath. Gläubige in Ungewissheit gehalten wird, ob und wie viel Sündenstrafen nach seinem Tod noch abzubüßen sind, kennt er keine Heilsgewissheit.“ ()

Die Kirche lehrtWer ins Fegefeuer kommt, ist seines Heils sicher, und kein Glaubender darf an Gottes Barmherzigkeit zweifeln (; ).

Das Entscheidende fehlt auf : Wer nach katholischer Lehre ins Fegefeuer kommt, ist „seines ewigen Heiles sicher“ (). Das Fegefeuer ist keine Zwischenstufe, in der noch entschieden würde, ob jemand Himmel oder Hölle erreicht, sondern eine Reinigung der bereits Geretteten (vgl. ).

Darum ist für die katholische Lehre so wichtig: Der Betreffende erleidet Verlust, „er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer“. Und nach wird nichts Unreines in die himmlische Stadt eingehen. Das Fegefeuer konkurriert also nicht mit der Erlösung durch Christus; in ihm wird sie bis zur letzten Reinigung wirksam.

Auch die Bibelstellen, die Bühne anführt, widersprechen dem nicht. Für die, die in Christus Jesus sind, gibt es „keine Verdammnis“ (), und das Fegefeuer ist nach katholischer Lehre gerade „von der Bestrafung der Verdammten völlig verschieden“ (). Die Sehnsucht des Paulus, „abzuscheiden und bei Christo zu sein“ (), zitiert der Katechismus selbst (), ebenso das Gleichnis vom armen Lazarus () als Zeugnis für das Gericht unmittelbar nach dem Tod ().

Auch Bühnes übrige Gründe gehen an der katholischen Lehre vorbei. Die Rechtfertigung wird nicht durch Werke verdient: Niemand kann die erste Gnade verdienen, aus der die Bekehrung, die Vergebung und die Rechtfertigung hervorgehen (). Und nicht jede ungebüßte Sünde führt zur Hölle: Die lässliche Sünde nimmt weder die heiligmachende Gnade noch die ewige Seligkeit (); endgültig von Gott trennt nur die schwere Sünde, die nicht bereut wird (; ). Richtig ist, dass die Kirche keine Gewissheit lehrt, die sich auf eigene Gefühle oder Werke stützt (), und dass niemand ohne besondere Offenbarung mit unfehlbarer Gewissheit wissen kann, ob er bis zum Ende ausharrt (). Sie setzt stattdessen auf die Hoffnung, die „auf die Verheißungen Christi“ vertraut und sich „nicht auf unsere Kräfte, sondern auf die Gnadenhilfe des Heiligen Geistes“ verlässt (). Die Gemeinsame Erklärung sagt es aus katholischer Sicht so: „Keiner darf an Gottes Barmherzigkeit und an Christi Verdienst zweifeln.“ Und: „In allem Wissen um sein eigenes Versagen darf der Glaubende dessen gewiß sein, daß Gott sein Heil will“ ().

Frühe Kirche

Fazit

Bühnes Anliegen ist ernst zu nehmen: Er möchte, dass Christen die Lehre der Kirche mit der Heiligen Schrift vergleichen (). Auch die katholische Kirche ruft eindringlich dazu auf, die Schrift häufig zu lesen (). Die vierzehn Aussagen, um die es hier ging, geben die katholische Lehre aber nicht so wieder, wie die Kirche sie selbst versteht.

Dabei zeigt sich ein Muster: Oft zitiert Bühne zutreffend und zieht dann einen Schluss, den der zitierte Text nicht trägt. Er führt selbst den Katechismus an, wonach die menschliche Natur „nicht durch und durch verdorben“ ist, und zitiert ein Konzilswort samt dem Satz, die durch die Sünde verwundete Freiheit könne „nur mit Hilfe der Gnade Gottes die Hinordnung auf Gott zur vollen Wirksamkeit bringen“ (). Seine Zusammenfassung lautet dann, der „Kern des Menschen“ sei gut geblieben und der Mensch könne sich „mit eigener Kraft“ befreien (). Er erwähnt die zur Rechtfertigungslehre (), nicht aber ihr Bekenntnis „Allein aus Gnade“ (). Und viele Bibelstellen, die er gegen die katholische Lehre anführt, zitiert der Katechismus selbst, etwa und (). Wer das Buch liest, kann jede weitere Aussage auf dieselbe Weise prüfen: am Katechismus, der frei zugänglich ist.

Echte Unterschiede bleiben, und sie sollen nicht kleingeredet werden: das Verhältnis von Glaube und Werken in der Rechtfertigung, die Zahl der Sakramente, die Mariendogmen, das Papstamt und seine Unfehlbarkeit, das Fegefeuer und der Ablass. Wer über sie streitet, sollte aber wissen, was die Kirche überliefert, und zwar so, wie sie selbst es lehrt und versteht. Dazu will diese Rezension beitragen.

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  • Robert Dale Fazzio, Peter Christoph Düren

    Ist das auch katholisch?

    Eine Auseinandersetzung mit dem evangelikalen Werk von Wolfgang Bühne: Ich bin auch katholisch · Dominus-Verlag, Augsburg 2026 · ISBN 978-3-940879-91-2 · mit einem Geleitwort von Manfred Hauke

    Eine katholische Antwort auf genau das Buch, das diese Rezension bespricht. Die beiden Autoren gehen Bühnes Einwände Kapitel für Kapitel durch: Schrift und Tradition, Kirche, Sakramente, Papsttum, Marien- und Heiligenverehrung und das ewige Leben. Sie antworten aus Bibel, apostolischer Überlieferung und Lehramt und halten dabei auseinander, was eine berechtigte Frage ist, was ein Missverständnis und was ein echter Unterschied. Wer mehr will als die vierzehn Aussagen dieser Rezension, findet dort die katholische Antwort auf das ganze Buch.

  • Scott Hahn, Kimberly Hahn

    Unser Weg nach Rom

    Christiana-Verlag · ISBN 978-3-7171-1069-9 · Originaltitel: Rome Sweet Home (1993)

    Scott Hahn, presbyterianischer Pastor und Theologe, und seine Frau Kimberly erzählen, wie sie über Jahre hinweg beim Studium der Bibel zur katholischen Kirche fanden. Im Mittelpunkt stehen Fragen, die auch Bühnes Buch bestimmen: die Bibel als alleinige Autorität, die Rechtfertigung und die Eucharistie.

  • Scott Hahn

    Das Mahl des Lammes

    Die Messe als Himmel auf Erden · Be&Be-Verlag, Heiligenkreuz 2021, Neuauflage 2025 · ISBN 978-3-903602-27-4 · mit einem Vorwort von Bischof Stefan Oster

    Hahn erklärt die heilige Messe von der Bibel her, besonders von der Offenbarung des Johannes. Eine gute Ergänzung zur Frage nach dem Messopfer ().

  • Katechismus der Katholischen Kirche

    Libreria Editrice Vaticana · als Buch in mehreren Verlagen, etwa als Taschenbuch bei St. Benno, Leipzig 2020 (ISBN 978-3-7462-5800-3), und kostenlos im Internet · Kurzfassung: Kompendium (2005)

    Die maßgebliche Darstellung der katholischen Lehre, auf die sich diese Rezension stützt; auch Bühne zieht ihn seit der fünften Auflage heran. Wer es kürzer mag, greift zum Kompendium mit Fragen und Antworten.

  • Joseph Ratzinger

    Einführung in das Christentum

    Vorlesungen über das Apostolische Glaubensbekenntnis · Kösel, zuerst 1968, Neuausgabe 2000 · ISBN 978-3-466-20455-7

    Der spätere Papst erklärt in diesem Klassiker das Apostolische Glaubensbekenntnis, das katholische und protestantische Christen gemeinsam sprechen.

  • John Henry Newman

    Apologia pro vita sua

    Geschichte meiner religiösen Überzeugungen · Media Maria, Illertissen 2010, 2. Auflage 2013 · ISBN 978-3-9811452-9-8

    Der anglikanische Theologe fand über das Studium der Kirchenväter 1845 zur katholischen Kirche. In seiner Lebensgeschichte zeigt er, warum die frühe Kirche für ihn den Ausschlag gab, das Thema der Seite Kirchengeschichte.

  • Bibliothek der Kirchenväter

    klassische Übersetzungen des Kösel-Verlags, gemeinfrei · online bei der Universität Freiburg (Schweiz)

    Die klassischen deutschen Übersetzungen der Kirchenväter, frei zugänglich. Aus ihnen stammen die Quellentexte zur Kirchengeschichte; dort lassen sich die zitierten Schriften vollständig nachlesen.

Quellen und Hinweise

Besprochenes Buch
Wolfgang Bühne: Ich bin auch katholisch … Die Heilige Schrift und die Dogmen der Kirche. 6. Auflage 2010, Bielefeld: CLV (ISBN 978-3-89397-122-0). Seitenangaben nach dieser Auflage. Die Zitate dienen der Besprechung; Auslassungen sind mit […] gekennzeichnet.
Bibel
Die Vorschau zeigt die Elberfelder Bibel in der unrevidierten Fassung von 1905 (gemeinfrei). Die revidierte Elberfelder (2006) und die Einheitsübersetzung sind über die Links zu ERF Bibleserver nachzulesen. Wörtliche Bibelzitate im Rezensionstext folgen der Einheitsübersetzung von 2016, nur 2 Tim 3,16 und Hebr 10,10 der Elberfelder Bibel (wie in der Vorschau).
Deuterokanonische Bücher
2 Makk, Weish und Sir fehlen in der Elberfelder Bibel und werden nach der Einheitsübersetzung zitiert: Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart. Alle Rechte vorbehalten.
Katechismus
Katechismus der Katholischen Kirche, Deutsche Ausgabe (1997), Text nach vatican.va, © Libreria Editrice Vaticana. Gezeigt werden die Kernsätze der angegebenen Nummern; Auslassungen sind mit […] gekennzeichnet.
Kirchenväter
Bibliothek der Kirchenväter (BKV), 1. Reihe (Kempten/München 1912–1918), gemeinfrei; Text nach bkv.unifr.ch.
Konzil von Trient
Konzil von Trient, 6. Sitzung (13. Januar 1547): Dekret über die Rechtfertigung. Deutsch nach: Beschlüsse und Glaubensregeln des hochheiligen allgemeinen Concils zu Trient unter den Päpsten Paul III., Julius III. und Pius IV., Regensburg: Manz 1869 (gemeinfrei; Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). Nummern nach Denzinger-Schönmetzer (DS), sie stimmen mit Denzinger-Hünermann (DH) überein. Text und Rechtschreibung der Ausgabe von 1869, am Digitalisat geprüft.
Gemeinsame Erklärung
Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre des Lutherischen Weltbundes und der Katholischen Kirche, unterzeichnet am 31. Oktober 1999 in Augsburg. Deutscher Text nach der Veröffentlichung des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen (christianunity.va). Zitiert zum Zweck der Besprechung, Rechtschreibung des Originals, Fußnotenverweise entfernt.